Mikroplastik - Überall und fast unsichtbar

Wer kennt die Bilder nicht? Durch Fischereinetze strangulierte Schildkröten, die Mägen von Meeresvögeln mit Plastikteilen vollgestopft, riesige Plastikstrudel im Ozean. Doch all dies erscheint weit weg. Doch weit weniger bekannt ist, dass Plastikmüll längst den Weg auch in unseren Körper gefunden hat, allerdings in Form von Mikroplastik.

Das Ausmaß der Verschmutzung durch Mikroplastik wird durch aktuelle Studien zunehmend deutlich. So konnten Studien Mikroplastik in fast allen Gewässern Europas, wie auch in unserem Trinkwasser und sogar in 24 deutschen Biersorten nachweisen. Auch in Honig und Zucker konnten Forscher Mikroplastik nachweisen. Noch erstaunlicher: Sogar in der Innen- und Außenluft konnte Mikroplastik nachgewiesen werden. So wird geschätzt, dass jährlich 3-10 Tonnen Mikroplastik über Paris niedergeht. 

 

Was ist Mikroplastik und wo kommt es her?

Jeden Morgen putzen sich Milliarden Menschen die Zähne, shampoonieren ihre Haare und benutzen vielleicht sogar noch ein Gesichtspeeling. Dann muss natürlich noch der neue Hightech Synthetik Pulli gewaschen werden. Was soll das alles mit Plastik zutun haben? Bei jeder dieser Handlungen spülen wir in riesige Mengen kleinste Plastikpartikel in die Kanalisation. Diese Plastikpartikel haben gerade einmal eine Größe von 5 Millimetern bis zu wenigen Nanometern. 

 

Mikroplastik aus Kosmetik, Kleidung und Reifenabrieb

Untersuchungen der Verbraucher-Plattform „Codecheck“ vom Oktober 2016 zeigen, dass von 130.000 Pflegeprodukten jedes dritte Gesichtspeeling und jedes vierte Duschgel Polyethylen aufweise. In diesen Produkten werden kleinste Plastikteilchen beispielsweise für einen Schleif-, Peeling-, oder Reinigungseffekt verwendet. Allein in Deutschland sind laut Umweltbundesamt Kosmetika für rund 500 Tonnen Mikroplastik im Jahr verantwortlich. Um den Eintrag von Mikroplastik zu begrenzen, haben die USA, Kanada, Neuseeland und Großbritannien Mikroplastik in Duschgel und Zahnpasta verboten. Schweden zieht 2018 nach. Der BUND stellt ein Hintergrundpapier zum Thema "Mikroplastik in Kosmetika" als PDF bereit.

Doch Mikroplastik aus Kleidung und Reifenabrieb stellen das größte Problem dar. Mikroplastik Partikel aus diesen Quellen machen mehr als 60% der im Meer gefundenen Mikroplastikpartikel aus. Mit jedem Waschgang lösen sich Synthetik Fasern aus unseren Kleidungsstücken und machen sich auf den Weg ins Meer oder unser Trinkwasser. Denn Kläranlagen sind häufig nicht in der Lage die winzigen Partikel herauszufiltern. Die Freisetzung von synthetischen Fasern wie Acryl, Polyamid, Elastan, Polyester u.a. beim Waschen von Textilien hat sich als eine der Hauptquellen von Mikroplastik herausgestellt. Der Anteil am gesamten Mikroplastikeintrag in die Meere beträgt ca. 35%. Pro Waschgang werden ca. 3000 Fasern freigesetzt. Auch zu diesem Thema stellt der BUND ein PDF  zur Verfügung.  

        

Mikroplastik durch den Zerfall größerer Plastikteile

Eine weitere Quelle von Mikroplastik ist der Zerfall größerer Kunststoffteile durch Verwitterung, Sonneneinstrahlung oder Wellenbewegungen. Selbst wenn Plastik weit weg von einem Meer nicht richtig entsorgt wird, landet es irgendwann über Flüsse und Wind in unseren Ozeanen. Der Sonne und den Wellen ausgesetzt zerfallen die Plastikteile im Laufe der Zeit immer weiter und erzeugen somit immer mehr Mikroplastikpartikel. Wenn eine Plastiktüte also scheinbar zersetzt ist, da sie nichtmehr länger sichtbar ist, hat sie sich in Wahrheit lediglich in Mikroskopisch kleine Partikel zersetzt, die weiterhin im Meer verbleiben und durch Tiere aufgenommen werden.

Mikroplastik im Trinkwasser

Mikroplastik ist nicht nur in Gewässern ein Problem: US-Forscher, wie auch deutsche Forscher wiesen auch in Trinkwasserflaschen eine zum Teil erhebliche Konzentration von Mikro-Plastikpartikeln nach. Die vom "Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe" durchgeführte Untersuchung von 38 Mineralwässer konnte in sämtlichen Proben Mikroplastik feststellen. 22 Wasser aus Mehrweg- und Einwegflaschen aus PET, drei aus Getränkekartons und neun aus Glasflaschen wurden hierbei untersucht. Die meisten Partikel wurden in Wasser aus PET-Mehrwegflaschen gefunden - im Schnitt 120 Plastikpartikel pro Liter. Der Höchstwert lag bei über 200 Partikeln. Aufgrund der Art der gefundenen Kunststoffe - vor allem Polyethylenterephthalat (PET) und Polypropylen (PP) – gehen die Forscher davon aus, dass diese größtenteils aus der Flaschenhülle, zum Teil aber auch aus der Verschlusskappe stammen und nicht schon vorher im Wasser enthalten waren. Denn PET-Pfandflaschen werden bis zu 50 Mal wiederverwertet. Eine lange Zeitspanne, in der die Innenseite der Flasche aufgeraut werden könnte und so Mikroplastik ins Wasser gelangt.

Unter diesem Gesichtspunkt überraschte es die Forscher, dass auch im Wasser aus Glasflaschen Mikroplastik nachgewiesen werden konnte. 

 

So klein und doch ein so großes Problem?  

Klein, wie Mikroplastik ist, verbreitet es sich in sämtlichen Flüssen, Seen und Meeren und ist dort von den obersten bis in die tiefsten Wasserschichten zu finden. Hier werden sie von Tieren als vermeintliche Nahrung aufgenommen – bis wir sie vielleicht mit unserem nächsten Gericht essen. So enthält eine Mahlzeit Muscheln im Schnitt 90 Partikel Mikroplastik.    

 

Über den Einfluss von Mikroplastik auf die Gesundheit ist wenig bekannt. Bei Meeresorganismen, etwa bei Wattwürmern oder Miesmuscheln, konnten Untersuchungen jedoch Gewebeveränderungen und Entzündungsreaktionen nachweisen. So wird Mikroplastik vom Körper der Tiere als Fremdkörper wahrgenommen, wodurch starke Entzündungsreaktionen hervorgerufen werden. Ob Mikroplastik aber auch für den Menschen schädlich ist, konnte noch nicht belegt werden. Entsprechende Langzeitstudien liegen noch nicht vor. Das Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei schätzt jedoch, dass Plastikpartikel durch weiteres zerfallen neue physikalische und chemische Eigenschaften gewinnen, mit denen auch die Gefahr wächst, dass sie toxisch auf Organismen wirken. So treten aus den Plastikpartikeln Stoffe wie Phthalate und Bisphenol A aus. Diese sind für ihre hormonellen Wirkungen bekannt und können bei Wirbeltieren ebenso wie bei einigen Wirbellosen zu Störungen des Hormonsystems führen. Außerdem können Teilchen in Nanogröße Entzündungen auslösen, Zellbarrieren überwinden oder verändern und sogar die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Innerhalb der Zelle können sie unter anderem Änderungen der Genexpression und biochemische Reaktionen auslösen. Welche langfristigen Effekte dies hat, ist noch nicht hinreichend untersucht. Zumindest für Fische wurde aber bereits nachgewiesen, dass sich Nanoplastik (Plastikteilchen zwischen 1-100 nm) nach Passieren der Blut-Hirn-Schranke verhaltensändernd auswirkt.

 

Was können wir tun? 

Um unser globales Plastikproblem in den Griff zu bekommen, sollte das wichtigste Ziel natürlich sein, Plastik in jeder Form zu vermeiden und intensiv an der Entwicklung von Alternativen zu arbeiten und diese zu befördern. Denn alternativlos ist bspw. der Einsatz von Mikroplastik in Kosmetik keineswegs: Hersteller von Naturkosmetik setzen schon lange auf Zuckertenside, Kieselsäure oder Heilerde und auch das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik hat Bio-Wachs als geeignete und umweltfreundlichere Alternative zu den schädlichen Kunststoffpartikeln vorgeschlagen. Der BUND stellt einen Einkaufsratgeber als PDF zur Verfügung, der zahlreiche Produkte aufführt, die Mikroplastik enthalten. 

Und auch im Bereich der Verpackungsindustrie gibt es Alternativen zu Plastik, deren Einsatz gefördert werden sollte. So könnten z.B. essbare Verpackungen aus Milchproteinen oder Pflanzenresten, biologisch abbaubare Flaschen aus Zuckerrohr oder plastikähnliche Materialien aus Holz zunehmend Plastik ersetzen.

Wie du in allen Bereichen des Lebens deinen Plastikverbrauch senken kannst haben wir dir hier zusammengestellt.

 

Nicht zuletzt sollten wir uns natürlich darum kümmern kleine wie auch große Plastikteile wieder aus unserem Ökosystem zu entfernen. Zu diesem Zweck veranstalten wir regelmäßig Strandreinigungsaktionen. Wir freuen uns über jeden engagierten Mitstreiter, der uns dabei unterstützen möchte. Hier kannst du dich für unseren Newsletter anmelden, in dem wir über anstehende Aktionen informieren. Möchtest du deinen eigenen Beach clean-up durchführen? Wir unterstützen dich gerne bei der Planung und Durchführung. Setze dich einfach hier mit uns in Verbindung.


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The Clean Beach Initiative was founded by the yoga brand „Southern Shores“. “Southern Shores” sells sustainable and 100% plastic free yoga products. However we realized that only preventing new waste from entering the environment by selling sustainable yoga products is not enough. This is why the Clean Beach Initiative was founded. We started by conducting beach clean-ups in Barcelona/Spain, and are currently planning clean-ups in Hamburg/Germany and in Reykjavik/Iceland. Our clean-ups in Barcelona have already gained phenomenal traction and each Saturday many dedicated volunteers help us to cleanup the Barceloneta beach. Everyone is highly welcome to join our beach cleanups in Barcelona. We are also very happy about people that want to help us organizing our upcoming clean-ups in Hamburg/Germany and Reykjavik/Iceland.